Box II.: „Digitales“ – Bildung: was ist zu tun?

Im Leitbild jeder Bildungsinitiative sollten die mündigen Bürger stehen, die auf Basis abgesicherter Informationen ihre Meinungs- und Willensbildungsprozesse gestalten können und in der Lage sind, ihren fundierten Wissenserwerb zu organisieren.

Dass der Bund für Milliarden Hardware zur Verfügung stellt und die einzelnen Länder dann „Konzepte“ erarbeiten, ist grundsätzlich zu verwerfen.

„Digitale“ Bildung muss Bestandteil einer Bildungsstrategie sein. Die Ansätze „bottom-up“ hier ein Internet-Anschluss, dort ein Tablet und Bildungsprojekt zu finanzieren, sind zu unterbinden. Der Strategieprozess und Rahmen ist im Wesentlichen top-down zu organisieren. Die Ausgestaltung muss aber in den Händen von multi-funktionalen Fachteams liegen.

Für den Strategieprozess sind erfahrene Praktiker aus den Schulen zu gewinnen. Das Modell startet mit einem engen Scope, um dann in weiteren Iterationen eine sukzessive Vertiefung und Verbreiterung sicherzustellen.

– Prüfungs-, Anpassungsphase (weiter machen oder stop);
– Entwicklungsphase (Architektur, ausgewählte Fachkonzepte, IT / Management und
  Administration);
– Realisierungsphase.

Besonders kritisch sind in der Tat die pädagogischen Konzepte, die über das hinausgehen müssten, was virulent an allen Ecken in der Privatwirtschaft entsteht. Es gibt immer neue Bildungsplattformen. Vor der Klausur gucken sich die Kids Erklärungen auf youtube an. Mäzene engagieren sich teils massiv in der Bildung.

Was heisst denn „digital im pädagogischen Prozess“, wo bringt er Vorteile, was soll besser gemacht werden, als das, was bereits verfügbar ist oder an allen Ecken entsteht?

Darin wäre auch zu präzisieren, was Bund, Länder und Schulträger leisten und was an Externe ausgegliedert – Make vs. Buy – werden könnte. Will man „selber machen“ oder im Schul-, Länderverbund? Will man kooperieren? Mit wem und wie sollen sechzehn (16) Bundesländer ihre „pädagogischen Konzepte“ erarbeiten.

Wanke, die Länder, haben aber keine Strategie. Sie können keine Strategie. Eine Reduktion auf fünf (5) bis sieben (7) Bundesländer würde die Komplexität bereits erheblich reduzieren. Die Kräfte sind zu Bündeln. Strategie und Konzeptfähigkeit sind Kernkompetenzen, die im schulischen Bereich zu bündeln und weiter zu entwickeln sind. Aber bitte nicht: jedes der sechzehn (16) Bundesländer macht es für sich. Infrastrukturen können zusammengefasst werden. Hier liegen erhebliche Skaleneffekte! Seit Jahren bemüht sich die Industrie / Unternehmen um diese Konsolidierungen und die Länder wiederholen alle alten Fehler? Kompetenzen, Know-how: Erfahrungs- und Methodenwissen, sind zu bündeln. Hier sollten die besten und erfahrensten Pädagogen und Fachleute ran.

Frau Wanka wollte 5 Milliarden „rausblasen“. Dabei gab es keine vernünftige Voraussetzung dafür, dass diese Mittel tatsächlich effektiv – das Richtige tun – und langfristig wirksam eingesetzt worden wären. Was machen die Kids mit Tablet und Internet ohne Konzept? Social Media, zehn Stunden pro Tag, bis zum nächsten ADHS-Anfall?

Den Löwenanteil im Internet-Verkehr erzeugen youtube, Netflix und ein paar andere Streaming-Plattformen. Geschätzte 33 % des Media-Contents sind pornographisch! Das passt doch unbesehen in jedes pädagogische Gender-Konzept, ebenso wie zur Strategie des ÖRR: „Fickt euch!“. Quelle: ARD / ZDF, denn angeblich gilt:

„Pornos treiben die Entwicklung des Netzes voran“,
glaubt z.B. Kai Biermann, Die Zeit, vom 05.04.2012, zu wissen.

Ebenso positioniert sich „populistisch“ fast jeder Bürgermeisterkandidat, jede Kandidatin, die sich heute um das Amt bewirbt. In manchen Städten können die Schulklos nicht benutzt werden, es fehlen Kabel, um die wenigen Beamer an den privat mitgebrachten Laptop anschliessen zu können. Nun aber wollen die Kandidaten massenhaft Tablets anschaffen, wegen der angeblich besseren Bildung im Kontext des „Digital Pakt“.

Die Stadt hat 1,5 Milliarden Euro Schulden. Macht nichts. Es fehlt halt an Grundsätzlichem. Ohne einen strategie-geleiteten Ansatz – natürlich zählen auch Infrastrukturen und Hardware dazu – werden sich die Kosten vervielfachen, ohne in der Sache Wirkung zu entfalten. Der schulische Bereich wurde von den Ministerpräsidenten und -präsidentinnen weitgehend zerstört. Das Schlaglicht war hier insbesondere auf die Situation und Entwicklung in Schulen geworfen. Ähnlich Verfallserscheinungen sind in der vorschulischen und höheren Bildung identifizierbar.

Und in Baden-Württemberg ist man einen Schritt weiter. Dort wird bald schulisch „ge-skypet“. Und: „Wer traut dem Herrn Strobl?“ Und werden die schulischen Leistungen – nachdem Baden-Württemberg in den Vergleichsstudien nach hinten durchgereicht wurde – wieder besser, weil Hausarbeiten in die „Cloud“ verlegt werden?

Mit seinem jüngsten Urteil zum Numerus Clausus (NC) in Medizin bestätigt das BVerfG: nichts an Leistungen ist aussagefähig, nichts ist vergleichbar. Das betrifft den schulischen und persönlichen Leistungsvergleich. Die Studien auf Länder und internationaler Ebene sind eindeutig: „Deutschland verliert unter den Gesetzgebern der Länder und ihren Chefs!“

Das BVerfG hat den Gesetzgebern eine ordentliche „Backpfeife“ verpasst. Sie wird jedoch ohne Wirkung bleiben. Die Kompetenzprofile sind derart in den Abgrund gefahren, dass „symbolische Züchtigungen“ gar nichts mehr bringen. Das Eindreschen auf ideologie-verbrämte Parteigänger erhöht weder deren Vernunft noch Können. Ansatzpunkte liegen in den Bereichen: Qualifizierung, Entpolitisierung der Bildung und strategiegeleitete Neugestaltung des ÖRR und der Bildungspolitik.

Zwischenfazit I.: Bildungspolitik / „Digitales“ – Bildung

==> Die Studien im Bereich Bildung lassen einen Rückschluss auf die Qualität des ÖRR-Programms zu: es ist desaströs!

==> Bildung ist in Deutschland heruntergewirtschaftet. Die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen demonstrieren ein identisches Kompetenzprofil wie beim ÖRR.

==> „Strategie“ können Bund – Länder gar nicht! Zudem sind die organisatorischen Voraussetzungen – Bund – Länder – Schulen – nicht gegeben, um notwendige Projekte zum Erfolg zu führen! Das Projekt „Digitaler Pakt“ ruht zur Zeit!

==> Bildung muss langfristig ausgerichtet und kompatibel sein! Schulpolitik hat Sache erfahrener Praktiker mit nachweislicher Vernunft und Human-Kompetenz zu sein.

==> Das Erbe der Aufklärung wird nicht fortgeführt. Der mündige Bürger mit Befähigung zur abgesicherten Entscheidungsfindung muss wieder primäres Bildungsziel werden.

==> Bildung ist aus dem Bereich des ÖRR vollständig herauszulösen und Bestandteil der neuen Bildungs-Strategie im primären Bereich der Schulen werden.

==> Sechzehn (16) Bundesländer sind zu fünf (5) maximal sieben (7) zusammenzuführen.